Der Tod von Alex Pretti lässt viele Menschen gerade nicht los. Ein Intensivkrankenpfleger, erschossen bei einem Einsatz von Behörden. Was besonders verstört: offizielle Darstellungen, Videos und Augenzeugenberichte scheinen sich deutlich zu widersprechen. Für viele wirkt das wie ein weiterer Moment, in dem Vertrauen in staatliche Institutionen bröckelt.
Viele berichten, dass sie nachts wachliegen, weiter scrollen, versuchen zu verstehen, was wirklich passiert ist – und dabei merken, wie sich Angst breitmacht. Angst davor, dass demokratische Prinzipien erodieren könnten. Angst davor, dass Wahrheit verhandelbar wird. Und davor, dass man selbst kaum Einfluss hat.
Gerade in solchen Momenten ist es wichtig, sowohl informiert zu bleiben als auch die eigene psychische Stabilität zu schützen.
Warum solche Ereignisse uns emotional so stark treffen
Wenn Nachrichten von Gewalt, widersprüchlichen Behördenaussagen und politischer Polarisierung aufeinandertreffen, entsteht ein Gefühl von Kontrollverlust. Psychologisch sprechen Fachleute hier von „Doomscrolling“ – dem zwanghaften Konsum negativer Nachrichten, der paradoxerweise weder mehr Klarheit noch Beruhigung bringt.
Typische Reaktionen sind:
- das Bedürfnis, immer weiter zu lesen, obwohl es belastet
- das Gefühl innerer Unruhe
- Ohnmacht oder Zukunftsangst
- Schlafprobleme
Diese Reaktionen sind menschlich. Problematisch wird es erst, wenn sie dauerhaft anhalten.
Drei konkrete Schritte, um wieder handlungsfähig zu werden
1. Beschallung reduzieren – bewusst und strukturiert
Dauerhafte Informationsflut hält das Nervensystem im Alarmzustand. Deshalb hilft es, Nachrichtenaufnahme aktiv zu begrenzen:
- feste Zeiten für Nachrichten statt Dauer-Feed
- keine News direkt vor dem Schlafengehen
- Push-Benachrichtigungen deaktivieren
Das Ziel ist nicht, sich abzuschotten – sondern Überforderung zu vermeiden.
2. Quellen gezielt auswählen
Nicht jede Information bringt mehr Klarheit. Im Gegenteil: Zu viele parallele Perspektiven können Verwirrung verstärken.
Hilfreich ist:
- wenige, seriöse Quellen statt ständiger Wechsel
- Fakten von Meinungen unterscheiden
- nicht jede neue Wendung sofort bewerten müssen
Strukturierte Information gibt dem Kopf Halt – und reduziert emotionale Überlastung.
3. Vom Gefühl zur Handlung kommen
Ohnmacht entsteht vor allem dann, wenn Menschen glauben, keinen Einfluss zu haben. Engagement – auch im Kleinen – kann dieses Gefühl aufbrechen:
- Beteiligung an lokalen Initiativen
- Unterstützung demokratischer Prozesse
- Gespräche im persönlichen Umfeld führen
- ehrenamtliches Engagement
- Mitmachen!
Aktives Handeln stärkt das Gefühl von Selbstwirksamkeit – ein zentraler Schutzfaktor gegen Angst.